Voraussetzung für eine ungestörte Schallzuleitung zum Innenohr (sog. Hörschnecke) und damit für die Hörleistung ist ein freier Gehörgang, ein intaktes Trommelfell und ein gut belüftetes Mittelohr mit frei beweglichen Gehörknöchelchen. Die Überprüfung dieser elementaren Voraussetzungen ist die erste Aufgabe des HNO-Arztes, bevor dieser mit weiteren spezialisierten Hörtestungen die Innenohrhörfähigkeit, die Reizleitung über den Hörnerv und die zentrale Hörfähigkeit bestimmt. Damit können auch sog. Vestibularisschwannome über das assoziierte Störungsbild recht sicher detektiert werden.

Bei sich langsam entwickelnden Schwerhörigkeiten gilt es zunächst zu differenzieren, wo die Störung zu lokalisieren ist. Von festsitzendem Ohrenschmalz, über Trommelfelldefekte, Mittelohrergüsse, chronischen Knocheneiterungen, einer Otosklerose, einem Labyrinthhydrops oder auch einem Nervenknoten reicht das Spektrum der Ursachen. Mittelohrschwerhörigkeiten (sog. Schallleitungsstörungen) erfordern zumeist die operative Beseitigung entzündlicher Störungen sowie hörverbessernde Massnahmen oder aber die Versorgung mit einer elektronischen Hörhilfe, d.h. einem konventionellen Hörgerät, bzw. einem Knochenleitgerät / BAHA.

ohranatomie
Die Anatomie des menschlichen Ohres.

Für Innenohrschwerhörigkeiten (sog. Schallempfindungsstörungen) ist die Versorgung mit Hörgerät oder einer Innenohrprothese, sog. cochlear implant/ CI möglich. Eine unheilbare Ertaubung oder Taubstummheit gehört damit der Vergangenheit an!

Tinnitus (Geräusche, die der Patient ohne äussere Tonquelle hört) belästigt viele Menschen, teils nur vorübergehend, teils aber auch dauerhaft. Fassbare Ursachen sind u.a. eine entzündliche Erkrankungen des Ohres, ein Hörsturz, eine Blockierung der Halswirbelsäule und Lärmeinwirkung. Bei akutem Tinnitus steht die Ursachenbeseitigung im Vordergrund, bei chronischem Tinnitus geht es vor allem darum, die Wahrnehmung so zu verändern, dass die Geräusche immer weniger im Vordergrund stehen oder auch ganz verschwinden.

Beim plötzlichen Auftreten von Ohrgeräuschen mit oder ohne Hörminderung sollte unmittelbar eine Vorstellung beim HNO-Arzt/ bei einer HNO-Ärztin erfolgen. Der plötzliche Hörverlust, sog. Hörsturz, gilt als Eilfall. Zur Klärung geht man Schritt für Schritt vor: zunächst wird eine gründliche Untersuchung klären, welche Ursachen fassbar sind und wie sich das Geräusch genau charakterisieren lässt. In weiteren Schritten werden die individuelle Situation, die Heilungsaussichten und die therapeutischen Ansätze mit der Patientin oder dem Patienten erörtert. U.a. kommen für den chronischen Tinnitus Maskierungstherapien ebenso in Frage wie spezielle bifunktionale Hörgeräte und Noiser sowie verhaltenstherapeutische Massnahmen. Zur Hörsturzbehandlung werden – auch in der hiesigen Praxis – u.a. Infusionen, die Softlasertherapie und die transtympanale Corticoidbehandlung eingesetzt.